Leseproben

"Graues Land" - Trilogie

Die Legende von Arc´s Hill

Weitere Romane, Novellen und Serien.

Die Saat der Bestie

Nirgendwo

Als sie den Mann tötete, wusste sie endgültig, dass die Welt sich verändert hatte ...
Manchmal scheint das Land unendlich zu sein.
Am Horizont verschmilzt der Himmel in einer dünnen Linie mit den Schatten von dem, was von der Welt noch übrig geblieben ist, nur selten durchbrochen von den gezackten Kämmen dunkler Berge oder dem feinen Glitzern eines weit entfernten Gewässers.
Am Morgen steigt Nebel aus den Senken der Felder und lässt bleiche Gespenster über das Land tanzen. Als würde die Erde in ihren letzten Atemzügen liegen.
Dann riecht die Luft nach feuchter Erde, die in den Nächten von Regen getränkt wurde, und lässt Erinnerungen an die alte Zeit wie glanzlose Träume erscheinen.
In der Nacht allerdings kehrt der Gestank zurück.
Der saure Geruch von Aas, Unrat und verfaulten Gräsern lässt die Luft dick werden, als würde sich etwas Finsteres durch die Dunkelheit bewegen.
Regen zwingt die Ausscheidungen der Erde auf den Boden zurück, wo sie sich in ein alles erstickendes, verschlungenes Leichentuch verwandeln und die Welt ersticken.
Für Samantha riecht das Land immer gleich.
Es macht keinen Unterschied mehr, ob die Welt am Morgen erwacht oder sich am Abend zum Sterben niederlegt. Sie kann den Tod immer riechen, selbst in den Wirren ihrer Träume.
Wenn sie mit einem Schrei auf den Lippen aus den Abgründen ihrer Alpträume auftaucht, spürt sie kalten Schweiß auf der Stirn und schmeckt Blut auf ihren Lippen, wo sie sich während des Schlafes selbst gebissen hat. Dann liegt für einige widerliche Sekunden der träge Gestank ihrer Träume von aufgedunsenen Körpern und Leichengas in der Nachtluft. Sie kann den Geschmack von faulen Pilzen in ihrem Mund spüren, als würde etwas Totes aus ihrer Kehle nach oben steigen.
Manchmal hat Samantha Angst davor, den Verstand zu verlieren.
An anderen Tagen wiederum sehnt sie sich danach.
Die Welt ist aus den Fugen geraten.
Wie lange sie bereits unterwegs ist, weiß sie nicht mehr. Irgendwann hat sie aufgehört, die Tage zu zählen.
Als der Winter ging und die Nächte ihre beißende Kälte verloren, war sie aufgebrochen.
In ihrem Haus zu sitzen und zu warten, dass sich alles zum Guten wenden würde, machte keinen Sinn mehr für sie.
Mike würde nicht zurückkommen. Ebenso wenig die anderen, die ihr Leben geprägt hatten.
Sie war alleine, auch wenn sich jede Faser ihres Verstandes dagegen sträubte, dies zu akzeptieren.